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Lehman Brothers

Der wirtschaftliche Zusammenbruch der amerikanischen Großbank Lehman Brothers ist in einer globalen Finanzwirtschaft kein rein amerikanisches Problem. Allein den deutschen Genossenschaftsbanken sollen Belastungen von bis zu einer Milliarde Euro drohen. Die rund 1230 Volks- und Raiffeisenbanken und andere genossenschaftlich organisierte Institute sollen Lehman-Papiere in einem Volumen von 500 bis 700 Millionen Euro besitzen. Weitere 300 Millionen soll die DZ Bank besitzen. Bei der WGZ Bank seien es nach deren Angaben deutlich unter 50 Millionen Euro. Fraglich ist auch, ob das Einlagensicherungssystem nach Regulierung eines derart großen Schadensfalls noch ausreichend Sicherungsmittel für andere Krisenfälle bereit hält. Schließlich kommt auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) der bislang größte Schadensfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu. Der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers könnte nach Informationen aus Finanzmarktkreisen den Sicherungsfonds mit bis zu sechs Milliarden Euro belasten. Die deutsche Tochter der Investmentbank ist der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken mit einer Deckungssumme in dieser Höhe angeschlossen. Die Höhe der Belastung für den Fonds bemisst sich im Wesentlichen nach den Verwertungsmöglichkeiten für die deutsche Lehman-Tochtergesellschaft. Sollte ein voller Schadensfall zu regulieren sein, könnte es auch für die Entschädigungseinrichtung problematisch werden. Eventuell müssten die dem Rettungsfonds angeschlossenen deutschen Geldinstitute Kapital nachschießen. Fachkreise sprechen von einem aktuellen Volumen des Einlagensicherungsfonds von etwa 4,6 Milliarden Euro. Die gesamten Verbindlichkeiten der deutschen Lehman-Tochter sollen sich nach Informationen aus Finanzkreisen dagegen auf über 14 Milliarden Euro belaufen. Im ungünstigsten Fall könnte der Entschädigungsfonds mithin durch Lehman Brothers nahezu ausgeschöpft werden, so dass für andere Ausfälle keine Mittel vorhanden wären.  Dieses Problem stellt sich für Inhaber von Zertifikaten des Bankhauses Lehman Brothers erst gar nicht. Bei einem Zertifikat handelt es sich um ein Wertpapier bzw. eine Schuldverschreibung einer Bank oder eines anderen Emittenten, deren Verzinsung und/oder deren Rückzahlung von bestimmten Bedingungen abhängen. Zertifikate sind rechtlich betrachtet Schuldverschreibungen. Schuldverschreibungen eines Kreditinstitutes des privaten Bankgewerbes sind jedoch nicht durch den Einlagensicherungsfonds geschützt. Der Einlagensicherungsfonds deckt nur Guthaben auf Termin-, Spar- sowie Girokonten ab. Zusätzlich stellen Zertifikate im Gegensatz zu Investmentfonds kein Sondervermögen dar, das im Insolvenzfall geschützt wäre. Einfach gesagt gewährt der Anleger der Bank, die das Zertifikat herausgibt, Kredit. Fast jedes Kreditinstitut in Deutschland hat Produkte der US-Investmentbank vertrieben. Fachleute gehen von zehntausenden von Anlegern aus. Diesen ist zu empfehlen, ihre Ansprüche auf Schadensersatz gegen ihren Vermittler zu prüfen, insbesondere wenn sie die Zertifikate erst kürzlich erworben haben, obwohl die Situation bei Lehman Brothers längst in Fachkreisen bekannt war. Anleger von Zertifikaten Lehman Brothers droht demgemäß ein Totalverlust ihrer Einlagen. Das Risiko des wirtschaftlichen Ausfalls des Herausgebers des Zertifikats, sog. Emittentenrisiko, trägt bei Zertifikaten grundsätzlich der Anleger. Die Anleger waren in vielen Fällen nicht ausreichend über das tatsächliche Risiko informiert worden. Die Zertifikate wurden in der Regel als sichere Anlagen verkauft, die auch für konservative Anleger geeignet seien. Die Berater hätten jedoch zur ordnungsgemäßen Beratung und Aufklärung vermitteln müssen, dass sich zahlreiche Finanzinstitute in den USA und speziell die Investmentbank Lehman Brothers in erheblichen Schwierigkeiten befanden. Zudem hätten die Banken über die Provisionen, die sie durch den Verkauf der Zertifikate verdienten, aufklären müssen, damit sich der Anleger eine Vorstellung darüber machen kann, ob nach seiner Auffassung die Empfehlung eher dem Provisionsinteresse der Bank als dem Kundeninteresse dient. Dass von erheblichen Provisionsinteressen getriebene Beratungsgespräche nicht unabhängig und im besten Interesse des Anlegers erfolgen können, darf angenommen werden. Betroffen sind zahlreiche Kunden fast aller großen deutschen Banken und Sparkassen. Die Anleger haben üblicherweise vier- bis sechsstellige Beträge in Lehman-Zertifikate investiert. Dabei haben verschiedene Banken mit Lehman Brothers auch Partneremissionen durchgeführt, bei denen Lehman Brothers nicht unmittelbar als Emittent zu erkennen ist. Zugleich erfasst die Insolvenz von Lehman Brothers auch Kreditderivate oder „credit linked notes“ anderer Institute, bei denen der Anspruch des Anlegers auf Zinsen oder Tilgung mit dem Schicksal von Lehman Brothers als Referenzunternehmen verbunden ist. Derartig strukturierte Papiere wurden etwa von der DZ-Bank unter dem Namen „Cobold“ und von der Commerzbank unter dem Namen „Colibri“ vertrieben.

Christiana Franke

Vorstandsvorsitzende

Pettenkofer Str. 40

80336 München

Vorstand@DeutscheAnlegerStiftung.de