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Madoff: Klage gegen Genfer Privatbank UBP

Die Union Bancaire Privée (UBP) ist eine auf die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Investoren spezialisierte Schweizer Privatbank mit Sitz in Genf. Sie gilt als eine der weltweit führenden Spezialisten im Bereich der Hedge-Fonds. Die verwalteten Vermögen beliefen sich Ende 2007 auf schätzungsweise 136 Milliarden Schweizer Franken. Das Unternehmen beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter und ist neben dem Hauptsitz in Genf an weiteren 21 Vertretungen in 19 Ländern auf vier Kontinenten tätig. Nun drohen auch der UBP wegen des milliardenschweren Betrugsfalls um das Schneeballsystem des Bernard Madoff rechtliche Konsequenzen. Die Bank wurde von einem Kunden in den USA verklagt. Personelle Verstrickungen und Interessenkonflikte sorgen angesichts der Betrugsaffäre um den New Yorker Unternehmer Bernard Madoff auf dem Genfer Finanzplatz für Ärger unter den alteingesessenen Banken. Vor allem die klassischen Privatbankiers fürchten um den guten Ruf des Genfer Finanzplatzes: Immerhin musste eine ganze Reihe von Instituten einräumen, im großen Stil mit Madoff Geschäfte gemacht zu haben. Die UBP soll etwa 1 Milliarde Franken an Kundengeldern in den betrügerischen Fonds investiert haben. Dabei soll sie auch mit der Fairfield Greenwich Group in Kontakt getreten sein. Dieses US-Finanzhaus hat allein 7,5 Milliarden Dollar durch den Madoff-Betrugsfall verloren. Nun wird vermutet, dass auf diesem Weg auch die Kundengelder aus dem Haus UBP zum überwiegenden Teil in die Madoff-Produkte geflossen sind. Enge familiäre Beziehungen zwischen Fairfield Greenwich und der Union Bancaire Privée legen dies nahe. Andrés Piedrahita ist der Schwiegersohn von Fairfield-Greenwich-Gründer Walter Noel und gleichzeitig auch ein sehr guter Freund von Michael de Picciotto, der wiederum Neffe von UBP-Gründer Edgar de Picciotto und Kadermann bei der UBP ist. Ein weiterer Schwiegersohn von Walter Noel ist der Schweizer Philip Toub, der ebenfalls enge Kontakte zur UBP unterhalten soll. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Beziehungsgeflecht auch der Banker Paul L. Saurel, der sowohl bei der UBP als auch bei der Banco Santander (Suisse) im Verwaltungsrat sitzt. Daher überrascht es nicht, dass der Schweizer Ableger des spanischen Santander-Finanzkonzerns mit über 3 Milliarden Franken im Madoff-Skandal involviert sein soll. Die personellen Verflechtungen sind insofern problematisch, weil über sie nicht nur beträchtliche Kundengelder, sondern auch enorme Kommissionen an die Beteiligten flossen. Ein Interessenkonflikt kann daher nicht ausgeschlossen werden.
Ein Kunde der UBP aus den USA hat nun Klage gegen das Genfer Finanzinstitut eingereicht. Schließlich ist kaum eine andere Bank der Welt von dem Madoff-Skandal so stark betroffen wie die UBP. Noch vor wenigen Monaten hatte die Bank ihren betroffenen Kunden ein Vergleichsangebot unterbreitet. Sie wollte ihnen die betroffenen Fonds abkaufen, die mit den betrügerischen Machenschaften von Madoff in Verbindung stehen, und dafür 50 Prozent der investierten Summe zurückzahlen. Dieses Angebot, das in der Branche als Schuldeingeständnis bewertet wurde, hat nicht alle Kunden überzeugt. Andrea Barron, ein New Yorker Anleger, hat am 8. Mai in den USA Klage gegen die Bank und deren führende Angestellte eingereicht. Er wirft der UBP vor, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Selbst bankinterne Warnungen seien unberücksichtigt geblieben. Mit der Klage soll die Bank zur Leistung von Schadensersatz und der Rückzahlung von erhaltenen Gebühren verpflichtet werden. Betroffen sind Anleger verschiedener Investmentfonds, die von der UBP angeboten oder verwaltet wurden, darunter die Fonds der Union Bancaire Privée Asset Management LLC: Selectinvest ARV LP, Selectinvest ARV II, Selectinvest ABF Ltd. und UBP Multi-Strategy Alpha Fund, sowie die Fonds der Swiss Bank Union Bancaire Privée: DINVEST – Total Return , DINVEST – Concentrated Opportunities, DINVEST – Select I, DINVEST – Select II, DINVEST – Select III, DINVEST – Concentrated Opportunities III Equity und TrendSquare I.
Betroffene Anleger – unabhängig davon ob sie US-amerikanische Staatsbürger sind – haben verschiedene rechtliche Möglichkeiten in den USA und gegebenenfalls in dem Land, in dem die Beteiligungen verkauft wurden. Sie können von der Kooperation der Stiftung mit US-Experten profitieren. Zugleich sollten Anleger in Europa ihre rechtlichen Möglichkeiten gegen ihre Berater prüfen lassen.

Christiana Franke
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Anlegerstiftung