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2011 - BGH: Kein Verjährungsbeginn durch Prospektübergabe

Der Bundesgerichtshof hat erneut die Rechte von Anlegern gestärkt, die Schadensersatzansprüche auf ein Fehlverhalten des Beraters abstellen, obwohl sie den Emissionsprospekt erhalten haben. Liest ein Anleger den Emissionsprospekt nicht und vertraut den Angaben seines Anlageberaters, ist dies keine grobe Fahrlässigkeit, die die dreijährige Verjährungsfrist nach § 199 Abs. 1 BGB in Gang setzt, so der BGH. In der Entscheidung hat der Bundesgerichtshof einen Schadenersatzanspruch eines Anlegers bejaht, obwohl dieser den ihm überreichten Emissionsprospekt nicht gelesen hatte. In der Begründung zu diesem Urteil stellt der BGH fest, dass sich der Anleger auf die, in dem Beratungsgespräch gemachten Aussagen des Beraters verlassen darf. Das bedeutet, dass es dem Anleger grundsätzlich nicht zum Nachteil gereicht, wenn er den Prospekt nicht liest. Der Anleger wollte sein Kapital für die Altersvorsorge möglichst sicher anlegen. Auf Empfehlung des Beraters investierte er dann in einen geschlossenen Immobilienfonds. In dem vom Berater getroffenen Vorschlag liegt jedoch ein Beratungsfehler. Auch wenn bei einem solchen Immobilienfonds das Risiko eines Totalverlusts eher gering ist, so eignet sich diese Form der Anlage nach Rechtsprechung des BGH wegen der unternehmerischen Beteiligung nicht zur sicheren Altersvorsorge. Selbst wenn aus dem Prospekt ersichtlich wäre, dass diese Art der Anlage nicht die gewünschte Sicherheit bietet, so trifft den Anleger auch dann kein Mitverschulden, wenn dieser den Prospekt nicht liest.