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Deltoton GmbH: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verunsichern Anleger

Die in Dettelbach (Landkreis Kitzingen) beheimatete Kapitalanlagegesellschaft Deltoton GmbH ist nunmehr Gegenstand von Ermittlungen der Würzburger Staatsanwaltschaft.

In einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Würzburg und des Polizeipräsidiums Unterfranken vom 23.12.2014 wird mitgeteilt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Anlagebetruges in Millionenhöhe in Bayern und Hessen insgesamt 26 Objekte durchsucht haben. Dabei stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher. Fünf Beschuldigte befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2013 gemeinsam mit der Kripo Würzburg gegen fünf Beschuldigte wegen des Verdachts des Betruges, der Untreue und der Geldwäsche. In diesem Zusammenhang wurden die Durchsuchungen durchgeführt. Hierbei waren fünf Staatsanwälte der in Würzburg ansässigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen und rund 140 Beamte der KPI Würzburg, der KPI (Z) Unterfranken und der Bayerischen Bereitschaftspolizei im Einsatz, die von rund 30 Beamten weiterer bayerischer und außerbayerischen Dienststellen unterstützt wurden.

Den Beschuldigten liegt zur Last, eine Vielzahl von Kapitalanlegern geschädigt zu haben, die seit Ende der 1990er Jahre eine atypische stille Beteiligung an drei im Landgerichtsbezirk Würzburg ansässigen Gesellschaften erworben haben. Zu diesem Zweck sollen die Beschuldigten im Zusammenwirken mit weiteren Personen eine Vielzahl von Gesellschaften im In- und Ausland gegründet haben, über die in der Folge die von den Anlegern einbezahlten Gelder hin- und hergeschoben wurden, bis diese letztlich entgegen ihrem ursprünglichen Zweck zumindest teilweise den Beschuldigten zuflossen. Hierdurch sollen nach derzeitigem Ermittlungsstand rund 30.000 Anleger geschädigt worden sein. Die Höhe des im Raum stehenden Gesamtschadens dürfte sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Würzburg hat Haftbefehle gegen alle fünf Beschuldigten erlassen. Diese wurden im Rahmen der Durchsuchungsaktion bzw. kurz darauf festgenommen und in verschiedene bayerische Justizvollzugsanstalten verbracht. Die Auswertung des umfangreichen sichergestellten Beweismaterials wird voraussichtlich geraume Zeit in Anspruch nehmen.

 

Seit Jahren warnen Anwälte und Verbraucherschützer vor Geschäften mit atypischen stillen Beteiligungen. Diese hochspekulativen Beteiligungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten als Anlagemodell zur Altersvorsorge verkauft, mit der Möglichkeit, gleichzeitig Steuern zu sparen und hohe Renditen zu erzielen.

Letztlich scheiterte eine Vielzahl dieser Modelle. Das Geld war weitgehend verloren.

 

Bei der Deltoton GmbH mussten die Anleger spätestens 2013 feststellen, dass ihr vermeintliches Guthaben einen Negativsaldo aufweist. Statt Auszahlungen zu bekommen sollten die Anleger Nachzahlungen wegen fragwürdiger Verluste leisten. Dabei hätten die Beteiligten gewarnt sein können. Bereits der Vertrieb der Anlagen bei der Frankonia erfolgte mit problematischen Vertriebsmethoden. Im Zentrum stand dabei der in der Branche bekannte Name Michael Turgut und dessen Vertriebsfirmen Futura Finanz und IFF AG.

Entsprechende Unternehmen waren bereits an dem Vertrieb der Beteiligungen der Göttinger Gruppe beteiligt, bei der über 100.000 Geschädigte ihre vermeintliche Altersvorsorge im laufenden Insolvenzverfahren zu verlieren drohen.

Bereits 2001 warnte die Stiftung Warentest vor dem Erwerb von Beteiligungen bei der

Frankonia.

Später wurde mit der Umbenennung in Deltoton GmbH ein Versuch gestartet das angeschlagene Image aufzubessern.

Bei einer atypischen stillen Beteiligung werden die Kunden zu stillen Gesellschaftern. Sie

erwerben mit einer Bareinlage eine prozentuale Beteiligung an dem Unternehmen und sind

entsprechend ihrer Beteiligung am Bilanzgewinn, aber auch den Verlusten beteiligt.

Nach dem Ende der Gesellschaft erhält der stille Gesellschafter ein Auseinandersetzungsguthaben.

Unsere Stiftung hat in den letzten Monaten vermehrt Anfragen von Anlegern der jetzigen Deltoton GmbH und der Capital Sachwert Alliance AG & Co. KG mit ihren Beteiligungsfonds 4 und 5 erhalten. Unter dem Konzerndach der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG verbirgt sich ein Firmengeflecht verschiedener Tochtergesellschaften. Dazu gehören auch die Anlagegesellschaften Frankonia Direkt AG, Frankonia Wert AG, Frankonia Sachwert AG und die Capital Sachwert Alliance AG & Co. KG mit ihren Beteiligungsfonds 4 und 5. Das Angebot der Frankonia ist vergleichbar mit dem der Göttinger Gruppe. Angeboten wurden zunächst atypisch stille Beteiligungen. Sie hatten steuerrechtlich eine Mitunternehmereigenschaft zur Folge. Solange die Gesellschaft Verluste machte, konnten diese steuermindernd geltend gemacht werden. Nach drei Jahren sollte die Gesellschaft prospektgemäß die Gewinnzone erreichen und der Anleger – aufgrund einer bei Abschluss der Beteiligung erteilten Vollmacht – in das jeweils nächste Segment überwechseln (sog. Steigermodell). Steigevorgänge fanden bisher zweimal statt und führten nach den vertraglichen Vereinbarungen jeweils zu umfangreichen Provisionszahlungen der „neuen“ Gesellschaft an die Vorgängergesellschaft. Bis Januar 2005 wurden die Beteiligungen der Deutschen Frankonia über die Futura Finanz AG, einem Finanzvertrieb des branchenbekannten Michael Turgut aus Hof mit 3.000 Vermittlern vertrieben. Mit der Exklusiv-Vermittlung von Frankonia-Produkten verdiente die Futura Finanz ein Vermögen. Allein 2002 sollen es nach Schätzungen von Anlegerinitiativen 33 Mio. Euro gewesen sein. Nach Aussagen Betroffener haben es die Berater ausgezeichnet verstanden, das Produkt plausibel darzustellen. Die Anleger wurden meist mit steuerlichen Argumenten überzeugt. Ihnen wurde vorgerechnet, dass man das Geld nur in Beteiligungen, Immobilien und Wertpapiere investieren muss und so keine Steuern mehr zahlen muss. Zum Beweis dafür zeigte der eine oder andere Berater schon mal Kopien von Lohnstreifen, auf denen unter dem Punkt Lohnsteuer „Null“ steht. Doch oftmals verschwiegen die Vermittler im Beratungsgespräch, dass es sich bei einer atypisch stillen Beteiligung bzw. einer Kommanditbeteiligung um eine unternehmerische Beteiligung handelt. Eine unternehmerische Beteiligung ohne jedes Mitspracherecht, ohne Ausstiegsmöglichkeit. Dafür aber mit dem Risiko, alles zu verlieren. Die Beteiligung wurde in vielen Fällen als Altersvorsorge verkauft, obwohl sie mit Totalverlust enden kann. Dieses Risiko sieht auch das Fachmagazin FinanzTest. In der Ausgabe vom Mai 2004 wurde bereits eindringlich vor Vermittlern der Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG gewarnt.

In vielen Fällen wurden den Anlegern der Emissionsprospekt nicht oder nicht rechtzeitig vor Zeichnung übergeben. Dabei soll der zuständige Marketingleiter den Außendienstmitarbeitern den „Tipp“ gegeben haben: „Händigen Sie den Emissionsprospekt möglichst nur auf Anfrage aus.“ Kunden würden sich sonst die 14 Seiten Risikoinformation durchlesen. „Und das“, so der Mann, „würde nur zusätzliche Fragen aufwerfen". Ehemalige Mitarbeiter der Futura Finanz haben gegenüber PlusMinus (Sendung vom 10.02.2004) bestätigt, dass von einer qualifizierten Beratung keine Rede sein kann. Die Gespräche verliefen in der Regel nach einem genau eintrainierten Protokoll mit dem Ziel, dem Kunden eine möglichst hohe Beteiligung bei der Frankonia zu verkaufen. Ein Ex-Vermittler der Futura Finanz AG stellte gegenüber PlusMinus klar: „Das ist keine Anlageberatung. Das Ziel ist es, den Kunden auszurauben bis zum letzten Pfennig. Auszubeuten. Und das (Geld), in eine sog. Anlage zu stecken, die Vorteile fingiert, die niemals dem Kunden sein Geld – weder mit Gewinnen, noch überhaupt – mal bringen wird.“ Häufig werben unseriöse Anbieter auch mit Prominenten. Bevor die Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG das Anlegergeld investiert, zieht sie erst einmal rund 20 % der gesamten Beteiligungssumme für Kosten ab, die an die verschiedenen Unterfirmen der Frankonia fließen. So soll die Frankonia Direkt AG für den Vertrieb der Beteiligungen 15,9 % des Zeichnungsvolumens an Provisionen erhalten. Hinzu kommen 1,5 % für Marketing- und Anlegerverwaltungskosten, 1,5 % für Prospektkosten und 1,3 % für sonstige Kosten. Nach Angaben der Frankonia entstehen in der bis Ende 2006 laufenden Emissionsphase über 90 Mio. EUR an Kosten. Das sind rund 20 % des gesamten geplanten Beteiligungskapitals von 450 Mio. EUR. Sie fließen in die Taschen von Vermittlern und Initiatoren und werden als sog. „weiche“ Kosten bezeichnet. Kritisch sind die Beteiligungen der Frankonia auch insofern zu sehen, als ein Anleger zu Beginn seiner Beteiligung nicht weiß, in welche konkreten Anlageobjekte sein Geld fließen wird. Das heißt die Beteiligung hat einen Blindpoolcharakter. Deutlich wird dies, wenn man sich den Emissionsprospekt der Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG ansieht. Dieser benennt lediglich die Investitionsbereiche: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, börsennotierte Aktien und Anleihen, offene und geschlossene Immobilienfonds und Derivate. Hinweise auf die Art der Unternehmen, Aktien oder Immobilienfonds finden sich nicht. Laut FinanzTest will die Frankonia für ihre Anleger eine Rendite von durchschnittlich 14,42 % erwirtschaften. Doch das ist aus Sicht von FinanzTest utopisch. Denn selbst wenn die Frankonia die angestrebten Renditen erzielen sollte, bliebe dem Anleger nach Abzug aller Kosten sehr viel weniger. Laut Beispielsrechnungen läge seine Rendite – vor Steuern – nur zwischen 5,1 und 6,5 % bei einer Anlagedauer von 16 Jahren. Aber auch die sind nicht sicher. Denn sicher ist bei unternehmerischen Beteiligungen gar nichts, so FinanzTest. Das zeigt sich auch an den Geschäftsberichten der Frankonia AG. In den letzten 8 Jahren wurde bisher kein nennenswerter Gewinn erwirtschaftet. Stattdessen traten gab es ungewöhnlich viele Insolvenzen wie beispielsweise bei der Systracom AG, der Cargolifter AG, bei dem Kursverfall der Aktien der WCM AG und dem Engagement bei der Körber Kunststoff Technik GmbH. Die Anlagepolitik der Frankonia – so Experten – ist ein Desaster. Auch die Verbraucherzentralen warnen vor Frankonia. Ausweislich der Bilanz hat allein ihr wichtigstes Unternehmen, die Sachwert AG, den Anlegern bei 90 Mio. EUR Einnahmen über 77 Mio. EUR als Verluste zugewiesen.

Neben den Warnungen zahlreicher Fachmeinungen (Finanztest, PlusMinus, Verbraucherschutzzentralen etc) liegt nach der bisherigen Geschäftsentwicklung das Risiko des Totalverlustes des Anlegergeldes auf der Hand. Für die atypisch stillen Gesellschafter besteht darüber hinaus die Gefahr, im Falle einer Insolvenz auf Rückgewähr getätigter Entnahmen zu haften und offene Raten weiterzahlen zu müssen. Als Altersvorsorge ist das völlig ungeeignet. Wer sich bei Unternehmen der Frankonia AG als stiller Gesellschafter beteiligt hat, kann seine Einlage unter anderem zurückverlangen, wenn der Vertrag nach dem 01.01.1998 geschlossen wurde und eine spätere Auszahlung des Guthabens in Form einer Rente versprochen wurde. Die entsprechenden Urteile des Bundesgerichtshofs eröffnen neue Möglichkeiten. Geschädigte Anleger stiller Gesellschaften müssen sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes auch nicht mehr auf fragwürdige (niedrige) Auseinandersetzungsguthaben verweisen lassen. Sie haben nunmehr Anspruch auf Schadenersatz von der Kapitalanlagegesellschaft in voller Höhe. Insofern haften auch die Berater – allen voran die Mitarbeiter der Futura Finanz AG – bei Falschberatung.

Die Anleger des Frankonia AG sollten sich daher schnellstmöglich mit der Deutsche Anleger Stiftung in Verbindung setzen.

 

Zur schnellen Bearbeitung benötigen wir von Ihnen folgende Unterlagen:

- sämtliche Vertragsunterlagen

- Schriftverkehr mit der Frankonia/ Vermittler etc

- Schilderung des Sachverhaltes mit eigenen Worten

- ggf. Rechtschutzversicherungsunterlagen

- ggf. Korrespondenz mit Anwälten, Staatsanwaltschaft etc.

 

Diese Unterlagen können Sie entweder per Post oder per Mail zur weiteren Bearbeitung/Weiterleitung an die Deutsche Anleger Stiftung senden.

 

Betroffene Anleger, die nicht längst anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen haben, um ihre Verträge zu beenden, sollten sich spätestens jetzt fachkundig beraten lassen.

 

 

Christiana Franke

Vorstandsvorsitzende der Deutschen Anlegerstiftung

Deutsche Anleger Stiftung


Dachauerstraße 55


 

82256 Fürstenfeldbruck



 

Telefon: 089/12014364

 

E-Mail: kontakt@deutscheanlegerstiftung.de

URL: www.deutscheanlegerstiftung.de